Volksbank verlieh 2012 weniger Geld an Unternehmen

Die Vorstände Andreas Otto und Frithjof Grande ziehen zufrieden Bilanz - mit klarer Meinung zur Wirtschaftspolitik.

Häufig seien sie belächelt worden für ihren bergisch-konservativen Stil, sagt Frithjof Grande. Am Ende aber sind er und sein Kollege Andreas Otto diejenigen, die lächeln: "Unser Stil hat sich durchgesetzt." Von Vertrauens- oder Bankenkrise könne bei der Volksbank Remscheid-Solingen keine Rede sein. 2012 schloss die Genossenschaftsbank so gut ab, dass die Genossen 8 Prozent Dividende bekommen. "Die Menschen suchen den sicheren Hafen", Beratung und greifbare Ansprechpartner.

 

989 Millionen Euro haben die Kunden angelegt, 377 Millionen Euro an Wertpapieren verwalten die 270 Mitarbeiter - deutlich mehr als 2011. Das Kreditvolumen stagniert bei 728 Millionen Euro. 2012 investierten die Unternehmen nur wenig. "Es gab wenig Neuansiedlungen und größere Investitionen", sagt Andreas Otto: "Sehen Sie irgendwo in Remscheid einen Kran?" Grund zur Sorge sieht er aber nicht. Viele hätten aus Krisen gelernt, halten sich mit Investitionen zurück, sind aber liquide gut ausgestattet.

 

Wirtschaftsförderung:
"Es fehlt eine klare Linie"

 

Problematisch ist und bleibe die hiesige Wirtschaftsförderung. Ein DOC sei positiv. Für das produzierende Gewerbe aber fehle eine klare Flächenpolitik. "Die Strategie kann doch nicht sein, jetzt nach Brachen zu suchen. So viele gibt es davon ja nun auch nicht", sagt Otto mit Blick auf Bahnhof Lennep und das verschwundene Gewerbegebiet Gleisdreieck.

 

Die Privatkunden hingegen nutzen mit steigender Tendenz Kredite - vor allem für Renovierungen und energetische Sanierung. Die durchschnittliche Kreditsumme liege bei 100000 Euro.

 

Wer sich Geld leiht, freut sich über niedrige Zinsen. Anders jene, die Geld anlegen wollen. "Das niedrige Zinslage ist sicherlich ein Problem. Aber sie ist Strategie der EU. Damit werden wir noch einige Jahre leben", sagt Frithjof Grande: "Viele Kunden müssen sicher darüber nachdenken, woanders zu investieren: Aktien oder Sachwerte."

 

Auch die Volksbank kann nur für 1,x Prozent anlegen

 

Die Volksbank selbst kämpfe dabei mit demselben Problem wie ihre Kunden: Ihr wesentliches Geschäft macht die Bank mit Zinsüberschüssen - also den Zinsen, die sie selbst bekommt, wenn sie das Geld ihrer Kunden anlegt. Das Depot belaufe sich auf 430 Millionen Euro, "ausschließlich in sicheren Anlagen ohne Gier", betont Grande. 2013 wird ein Millionenbetrag fällig, der für 3,5 bis 4 Prozent angelegt war. Neu anlegen könne die Bank das Geld aber nur für einen Zinssatz mit einer 1 vor dem Komma.

 

Daher rechnet der Vorstand damit, dass das Ergebnis 2013 schlechter ausfallen wird als 2012. Ziel sei das Niveau 2011, sagt Andreas Otto.

 

© 14.02.13 Kerstin Neuser, RGA