Die Volksbank hat gut lachen

BILANZ Kreditinstitut profitiert von der Krise und steigert Ergebnis auf 13,8 Millionen Euro. Prognose für 2013 fällt aber gedämpft aus.

Es gibt solche und solche im Kreditgewerbe: Da sind die großen Privatbanken, die unter der Vertrauenskrise im Finanzsektor leiden. Und da sind die anderen, die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken, die vom Leid und von den Fehlern der Konkurrenz profitieren.

 

ZAHLEN

 

MARKTSTELLUNG Die Volksbank betreut 50 000 Kunden und 5000 Firmenkunden und bezeichnet sich im Geschäft mit Unternehmen neben der Sparkasse als Marktführer.

 

ENGAGEMENT Mit 120 000 Euro pro Jahr unterstützt das Kreditinstitut rund 100 Vereine, Verbände und Schulen.

 

Zu letzteren zählt sich auch die Volksbank Remscheid-Solingen. Deren Vorstandschef Frithjof Grande beschreibt den eigenen Weg als „bergisch-konservativ“ und als „bodenständig“. Das bringe Kundenzuwächse und ein Ergebnis für das Geschäftsjahr 2012, wie es die Volksbank lange nicht mehr gesehen habe: Von 11,5 Millionen Euro im Vorjahr wuchs es auf 13,8 Millionen Euro an. Wohlgemerkt nach der Bewertung aller möglichen Ausfallrisiken im Kredit- und Wertpapiergeschäft.

 

„Unser Stil hat sich durchgesetzt“, stellt Grande zufrieden fest. „Keine Experimente, keine Gier.“ Die Volksbank versteht sich als Partner des Mittelstands und pflegt bewusst ihre eigene mittelständische Struktur.

 

Vier Filialen mit rund 30 Mitarbeitern unterhält das Unternehmen allein in Solingen. 18 Niederlassungen mit insgesamt 270 Mitarbeitern sind es in der Region, die auch Burscheid, Haan, Hilden, Velbert und Radevormwald mit einbezieht. Die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in der Remscheider Zentrale.

 

Das gute Ergebnis spiegelt sich auch in der Dividende wider: Sechs Prozent sollen die Mitglieder erhalten, plus weitere zwei Prozent Bonus.

 

Zugelegt hat das Kreditinstitut 2012 im Wertpapiergeschäft mit Privatkunden. Die Nachfrage auf der Kreditseite stagniert hingegen – trotz der günstigen Konditionen. „Es gibt ein Wachstumsproblem“, sagt Vorstand Andreas Otto. „Wir haben wenige Firmen, die sich neu ansiedeln und eine schwache Investitionsneigung. Zudem haben viele aus der Krise der vergangenen Jahre gelernt und sind gut mit Liquidität versorgt.“ Allein die Baufinanzierung zeige Steigerungen, vor allem durch Renovierungen und energetische Sanierungen.

 

Kosten senken – ohne Filialen zu schließen und Personal abzubauen

 

Auf der Einlagenseite bereitet die Zinsflaute naturgemäß ebenso wenig Freude. Otto: „Es macht uns genauso wenig Spaß wie den Kunden, über Festgelder zu reden, die 0,3 Prozent Zinsen bringen.“ Nicht nur das: „Wir können mit den Kunden klagen“, sagt Grande. „Zinsüberschüsse bestimmen im Wesentlichen unser Geschäft.“ Und dort ist weiterhin wenig zu holen.

 

Entsprechend vorsichtig schauen Grande und Otto ins noch junge Jahr: „Wir sind sicher, erneut eine ordentliche Leistung hinzulegen, aber eher schwächer als 2012. Denn es ist weiter Zurückhaltung zu erwarten.“ Die Volksbank orientiert sich am Niveau von 2011.

 

Zwar gelte es, permanent die Kostenstruktur zu prüfen. „Aber wir werden in den nächsten fünf Jahren weder Leute rausschmeißen noch Standorte schließen.“ Das Filialnetz mit der Nähe zum Kunden sei einer der großen Vorzüge der Volksbank. Die vier Solinger Niederlassungen in Mitte, Ohligs, Wald und Aufderhöhe seien alle auf dem neuesten Stand. Höchstens für die Aufderhöher Filiale komme eine Verlagerung infrage, weil die Höhscheider Straße nicht mehr der ideale Platz sei.

 

© 14.02.13 Thomas Kraft, Solinger Tageblatt