Über die Zukunft der Rente und den Generationenvertrag: Renten-Experte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen begeistert beim Mittelstandssymposium

Gut 200 geladene Gäste waren in die Klosterkirche gekommen, um den Vortrag des Finanz-wissenschaftlers Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen mitzuerleben. Sein Thema beim Mittel-standssymposium der Volksbank: „Demographie, Wirtschaft und Soziales: Quo vadis?“

Bild: Frithjof Grande, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Remscheid-Solingen eG (links) und Andreas Otto, Vorstandsmitglied (rechts), begrüßten beim Mittelstandssymposium Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen als Referenten.

Professor Dr. Bernd Raffelhüschen geht nicht zimperlich mit seinen Zuhörern um. Er schlägt ihnen knallharte Tatsachen über ihre Zukunft und Gegenwart um die Ohren und bringt sie damit zunächst zum Schlucken und dann zum Lachen. Oder umgekehrt. Mit seiner zuspitzenden, direkten Art begeisterte der Finanzwissenschaftler der Universität Freiburg beim elften Mittelstandssymposium der Volksbank Remscheid-Solingen eG gut 200 Gäste in der Lenneper Klosterkirche.

Das Thema des Renten-Experten ist die immer älter werdende Bevölkerung in Deutschland und die Auswirkung auf die Sozialsysteme. Raffelhüschen holte sein Publikum gleich zu Anfang hart auf den Boden der Realität zurück: „Es gibt keine Lösung für das demographische Problem. Die Sache ist gelaufen.“ Denn die Generation der Babyboomer – die einen Großteil der Zuhörer im Saal ausmachte – habe es versäumt, für ausreichend Nachwuchs zu sorgen.

War er also da, um Hoffnungslosigkeit zu verbreiten? Nein, denn wenn man eine Situation kenne, könne man sich darauf einstellen. Der Finanzwissenschaftler machte jedoch klar, dass nicht er für Lösungen zuständig sei: „Ich bin Statistiker, Lösungen muss die Politik finden.“

Dass er mit den aktuellen Vorschlägen, vor allem aus der Großen Koalition, allerdings wenig zufrieden ist, daraus machte Raffelhüschen keinen Hehl. Alle Versuche der Familienministerinnen, Anreize zu schaffen, damit die Frauen mehr Kinder bekommen, kämen zu spät: Denn bis aus den noch ungeborenen Kindern Beitrags- und Steuerzahler werden, habe sich die aktuelle demographische Schieflage erledigt. Dann gebe es zwar wenige Junge, aber auch wenige Alte – und damit herrsche wieder Gleichgewicht. „Es wird wieder gut, und zwar ganz von selbst.“

Für die Generationen seiner Zuhörer im Saal nur ein geringer Trost, sie werden das nicht mehr erleben. Das Problem ihrer Rente werden sie selbst anpacken müssen, führte der Finanzwissenschaftler aus, der gegen die Rente mit 63 wettert oder Lehrer künftig nicht mehr verbeamten möchte. Und das heißt: länger arbeiten und die staatliche Rente nur noch als Basisversorgung einplanen.

In der Fragerunde nach dem Vortrag brachte es ein Gast auf den Punkt: „Es war ein humorvoll-kabarettistischer Vortrag mit furchtbar ernstem Hintergrund.“ Und so hatten die Volksbank-Kunden beim anschließenden Empfang mit leckeren Snacks aus der Klosterschänke noch einiges zu besprechen. Raffelhüschen hatte ihnen viel Diskussionsstoff geliefert.