Geld ethisch korrekt anlegen

Nachhaltige Fonds sind mehr denn je gefragt. Das zeigt auch das Beispiel der Hildener Firma „Ökoworld“.

Von Alexandra Rüttgen

Ein Blick auf das Handy seines Gesprächspartners reicht Alfred Platow. „Das wurde mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Hildener Kapitalanlagegesellschaft Ökoworld trocken, und plötzlich ist die heile Welt im persönlichen Umfeld gar nicht mehr so heil. Ein Produkt, das Kinderhände herstellten? In der eigenen Handtasche?

Das Unbehagen, das sich daraufhin einstellt, treibt Platow immer mehr Kunden zu: Die Hildener Firma Ökoworld verspricht eine ethisch-ökologisch saubere Geldanlage und hat dazu seit seiner Gründung im Jahre 1995 sechs Fonds aufgelegt. Einer davon ist „Ökovision Classic“. Er wurde jetzt von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen – und sie bestätigt: „Der Fonds Ökoworld Ökovision Classic C ist der konsequenteste und klimafreundlicheste Aktienfonds Welt im Test.“


Dass eine kleine Hildener Firma der übrigen Finanzwelt mit großen Global Playern derart die Stirn bieten kann, freut den Ökoworld-Vorstandsvorsitzenden Platow: „Das hat uns besonders stolz gemacht.“ Der Fonds investiert derzeit in weltweit insgesamt 72 Aktiengesellschaften, die ökologisch nachhaltig wirtschaften und moralischen Grundsätzen folgen. Rüstungsgeschäfte, Atomenergie, Gentechnik oder auch Glücksspiel sind ausgeschlossen.


Ein Beispiel für diejenigen Firmen, in die „Ökovision“ investiert, ist der französische Kosmetik-Hersteller „L’occitane“, dessen Produkte in Deutschland in Apotheken erhältlich sind. Aber auch eine indische Kindergartenorganisation, eine neuseeländische Eisenbahngesellschaft oder eine brasilianische Bildungsgesellschaft sind darunter. Dass die Firma Ökoworld auch einen Beirat von Experten beschäftigt, die alle Invests von Ökoworld kritsch prüfen – darunter sind Umweltingenieure, Fachleute für fairen Handel, Theologen und Experten für Verbraucherschutz und Biotechnologie – überzeugt Torsten Müller, Direktor Leiter Private Banking bei der in Hilden und Haan mit Geschäftsstellen ansässigen Volksbank Remscheid-Solingen: „Die gucken sich die gesamte Palette an und nehmen das sehr ernst“, sagt er. Die Volksbank überlege daher, die Zusammenarbeit mit Ökoworld zu verstärken.


Die Nachfrage nach Fonds, die eine saubere Geldanlage garantieren können, steigt – nicht nur bei Privatanlegern, sondern auch bei kirchlichen Einrichtungen oder Stiftungen, hat Müller beobachtet.


Ein Trend, den auch Verbraucherschützer bestätigen: „Jedes dritte Geldinstitut möchte sein Angebot weiter ausbauen“, weiß Elisabeth Schoemakers von der Langenfelder Beratungsstelle der Verbraucherzentrale (VZ). Doch fehle es häufig noch an Vielfalt. „Bei den meisten Banken gibt es nur wenige Finanzprodukte mit nachhaltigen Faktoren zu kaufen.“

Veröffentlicht in der Westdeutschen Zeitung (WZ) am 08.12.2014