Remscheid. Er zählt zu den wenigen, die sich öffentlich hinter Thilo Sarrazin gestellt haben. Und so verwundert es nicht, dass Hans-Olaf Henkel auch am Dienstag in der Lenneper Klosterkirche gleich mehrfach auf Sarrazin und dessen Thesen angesprochen wird.

 

Die Volksbank Remscheid-Solingen hatte Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel, den TV-bekannten Ex-BDI-Präsidenten und Ex-IBM-Vorstand als Gastredner für ihr 7. Symposium eingeladen. Und auch hier bekräftigte er seine Haltung zu Sarrazin: "Ich unterschreibe alles in seinem Buch." Sicher hätte die ein oder andere Passage besser recherchiert sein sollen. Aber: "Viel dramatischer ist die Reaktion auf Sarrazin", hielt Henkel fest - und schlug damit den Bogen zum eigentlichen Thema seiner Rede: der wettbewerbsfähigen Gesellschaft.

Ob Tabellenplatz in der Bundesliga oder Umsatzzahlen in der Wirtschaft - überall sei unser Leben von Wettbewerb geprägt. Deutschland aber, so Henkels These, ist derzeit nicht wettbewerbsfähig. "Die Industrie ist auf Zack - aber der Rest der Gesellschaft marschiert mit anderer Geschwindigkeit." Bleibe das so, dann drohe die Gesellschaft auseinander zu fallen.

Ganz ohne Manuskript reiht Henkel in freier, pointierter Rede über eine Stunde lang Anekdoten, persönliche Erfahrungen und politische Standpunkte aneinander. Am Ende führen sie ihn zum Kern seines Gesellschafts-Ideals: dem "magischen Dreieck" aus Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechte. Alle drei gehen für Henkel miteinander einher. Länder wie Südafrika mit dem einstigen Apartheid-Regime zeigten, wie die Marktwirtschaft als Motor für die Demokratisierung wirken kann. All jenen Ländern, in denen die Marktwirtschaft sich durchgesetzt habe, gehe es heute besser als vorher.

Henkel appelliert deshalb: "Lassen Sie uns dieses Dreieck verteidigen" - auch im eigenen Land. Wer wettbewerbsfähig bleibe, der sei automatisch sozial. Auch das Gegenmodell benennt Henkel - und schlägt damit unausgesprochen wieder den Bogen zu Sarrazin: "Es sind die islamischen Länder." Nur in drei der 57 islamischen Länder zähle das Dreieck aus Menschenrechten, Demokratie und Marktwirtschaft etwas.

 

© Kerstin Neuser, RGA Remscheid, 18.11.2010

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