Mein Lieblings-Platz. Im Grünen geht es Volksbank-Vorstand Frithjof Grande nicht ums Sitzen und Ausruhen, sondern um Bewegung und Fortkommen: Dreimal in der Woche joggt er rund anderthalb Stunden in Obergarschagen.
Es ist ein steiniger Weg hinauf, doch die Aussicht entschädigt für alle Mühen: Auf der Kuppe des Hügels in Obergarschagen angekommen hat der Spaziergänger freie Sicht auf den Lüttringhauser Wasserturm. Automatisch schweift der Blick in die Ferne, über eine Landschaft hinweg, die sich bis zum Horizont in sanften Wellen erstreckt. Der Anblick sonnengelber Getreidefelder, dunkler Nadelbäume und saftig grüner Wiesen bringt Frieden in die Seele. Tief durchatmen. Hier ist alles gut.
Ein Ort, um Gedanken zu fassen.
Volksbank-Vorstand Frithjof Grande lächelt. „Ich bin ein Landmensch“ sagt er. Entspannung sucht er in der Natur, hier, in der Nähe seines Wohnortes, wo frühmorgens noch kein Mensch unterwegs ist. Zwei bis drei mal in der Woche steht Grande um 6.30 Uhr auf, um noch vor Dienstbeginn rund anderthalb Stunden lang zu joggen. Währenddessen sammelt er sich für seinen langen Arbeitstag. „Beim Laufen kann ich Gedanken fassen“, sagt er.
Manchmal dreht er seine Runden in Begleitung. Oft aber ist er alleine und lässt sich mittels Kopfhörer beschallen. „Wilde Musik“ muss es dann sein, sagt Grande. Rhythmen, die ihn antreiben, zum Beispiel von den Rolling Stones.
„Die Einstellung, die man beim Sport hat, sollte man auch bei der Arbeit haben“, sagt der Volksbank-Vorstand, während er flotten Schrittes vorangeht. Und wie lautet die? „Volle Pulle“, antwortet Grande lachend. Ein Tempo, das seinen Preis hat: Die Verantwortung für die Mitarbeiter, Zusammenkünfte mit Kunden, Repräsentationspflichten und ein Kalender voller Termine sorgen dafür, dass sein Tag weitestgehend fremd bestimmt ist.
Die Natur bietet ihm ein Gegengewicht. In ihr schafft er sich Freiräume. Sich dorthin zu bewegen, wann und wohin er es will, und das mit flottem Tempo, das braucht er zum Ausgleich. Zudem achtet Grande sehr darauf, dass er nicht ständig unter Strom steht: Sein Mobiltelefon macht er aus, wenn er sich in der Natur bewegt. Wer ständig auf das Handy schaut, nehme sich selbst zu wichtig, sagt er in bestimmtem Tonfall. „Ich finde es nicht gut, wenn man sich von der Elektronik so abhängig macht.“ Und tatsächlich klingelt das Handy des Volksbank-Vorstandes an seinem Lieblingsplatz nicht ein einziges Mal.
Sein Blick trennt sich von der Aussicht. Es geht wieder bergab, zurück ins städtische Leben, in den Alltag. Seine Ausflüge in die Natur helfen Frithjof Grande, sich auf sich selbst zu besinnen. Das strahlt bis ins Berufsleben aus: „Man muss im Job immer die Bodenhaftung behalten“, sagt Grande. Dann sind auch die steinigen Wege bergauf zu schaffen – bis hin zur Position des Vorstandsvorsitzenden bei einer Bank.
© Rheinische Post Alexandra Kemp 06.08.2011