Hans-Olaf Henkel referierte in der Klosterkirche
(Le./JoB.) Würde man den omnipräsenten Hans-Olaf Henkel nicht schon aus etlichen Fernsehauftritten wie Talkshows kennen, käme man wohl nicht auf den Gedanken, hier einem Mann gegenüberzusitzen, der sich darauf versteht, mit Worten zu fechten, der gern heiße Themen aufgreift und unweigerlich polarisiert. Die Volksbank Remscheid- Solingen hatte sich da am Dienstagabend ein wirtschaftspolitisches Schwergewicht in die Klosterkirche Lennep eingeladen, wohlwissend, dass seine Thesen beim handverlesenen Publikum auch auf Widerstand treffen würden. Aber es scheint so, als würde Hans-Olaf Henkel gerade aus Gegenwind Energie gewinnen. Er sucht die kontroverse Diskussion. Hanseatisch gelassen, ruhig und sachlich, vermischt er Einblicke in wirtschafts- wie gesellschaftspolitische Zusammenhänge mit Insiderwissen und provokanten Äußerungen. Das SONNTAGSBLATT nutzte die Möglichkeit, vor der eigentlichen Veranstaltung ein Gespräch mit Hans-Olaf Henkel zu führen, über sein Leben, seine Motivationen und Ziele. Dabei kam Erstaunliches zutage. Er gesteht ganz selbstverständlich Fehler ein: „Antworten können sich verändern, wenn man dazugelernt hat.“ So würde er sich beispielsweise nicht mehr für den Euro einsetzen wie noch vor zehn Jahren. Der 70-Jährige, der wohl zum ersten Mal in dieser Region auftrat, möchte hier andere Horizonte vermitteln, damit der Zuhörer „nachdenklich nach Hause geht und neue Argumente seiner grünen Tochter gegenüber parat hat“. Er hat die Geschwindigkeit der Globalisierung unterschätzt, sagt er und mahnt die Gesellschaft an, ihre Zukunft mit der Marktwirtschaft zu bewahren. Der Politik gilt seine Schelte: „Sie leistet keine Aufklärung, entweder schürt sie Ängste oder beschönigt!“ So bemüht er sich seit 15 Jahren, Aufklärung zu betreiben und verlangt durch aus keinen Beifall dafür: „Bei Beifall frage ich mich immer, ob ich etwas Falsches gesagt habe oder ob ich zu
p o p u l i s t i s c h war.“ Sein neuestes Buch, das im Dezember erscheinen wird, hat den beziehungsreichen Titel „Rettet unser Geld“ und wird ihm schon deshalb einige Tantiemen sichern. Sicher wird ihm aber auch immer wieder die Frage gestellt werden, warum er das Bundesverdienstkreuz nicht angenommen habe. Doch darauf gibt er keine Antwort, nur dass es weniger mit hanseatischer Bescheidenheit zu tun hatte, als mit einer privaten Kontroverse zwischen dem Bundespräsidialamt und ihm. Die Volksbank Remscheid- Solingen hat sich mit diesem Abend aber wieder mal positiv ins Gespräch gebracht.
© Sonntagsblatt, 21.11.2010