SUPER-AZUBI I Carolin Strassmann kümmert sich bei der Volksbank um Privatinsolvenzen.
Bankkaufmänner haben keine Wahl: Der Anzug ist Pflicht. Bankkauffrauen wie Carolin Strassmann haben es da schon besser. "Das ist nicht mehr so streng wie früher", sagt die 21-Jährige. Eine gute Hose, eine Bluse oder in Pulli gehen in Ordnung. Dass sie zur Arbeit keine Jeans anziehen darf, störe sie nicht. "Ich mache mich gerne schick." Schließlich müsse die junge Frau vor Kunden seriös dastehen.
Carolin Strassmann ist Superauszubildende. Mit Note 1 hat sie ihre Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Volksbank Remscheid-Solingen bestanden. Ihr Ehrgeiz ist ihr Erfolgsrezept. "Man muss sehr diszipliniert sein. Ich habe viel gelernt - auch bei schönem Wetter", erklärt die sympathische 21-Jährige. Dabei hatte sie ihre Zukunft stets im Blick. "Wenn die Berufsausbildung gut ist, dann hat man später bessere Chancen", ist sie überzeugt. Denn mehr als das Zeugnis habe ein frisch Ausgebildeter ohne weitere Berufserfahrungen nicht vorzuweisen.
Ins Berufsleben und auf eigenen Beinen stehen
Bank oder Versicherung: Eine andere Berufsalternative habe es für Carolin Strassmann nicht gegeben. Das Pflichtpraktikum in der elften Klasse absolvierte sie in der Volksbankfiliale am Hasten. Weil es ihr so gut gefallen habe, schickte sie gleich eine Bewerbung ab. "Wenn es klappt, höre ich nach der zwölften Klasse auf, wenn nicht, mache ich Abitur", dachte sie sich damals. "Ich wollte unbedingt ins Berufsleben und auf eigenen Beinen stehen." Eine Bewerbung reichte. Sie bekam den Ausbildungsplatz.
Der Umgang mit Zahlen und die Kombination aus Bürojob und Kundenbetreuung seien es, die ihr besonders viel Spaß machen. "Der Mix macht`s", sagt sie lachend. Wie alle anderen Azubis in diesem Jahr habe die Volksbank auch Carolin Strassmann übernommen. Dort arbeitet sie nicht im typischen Filialbetrieb, sondern in der Rechts- und Abwicklungsabteilung - das war ihr Wunsch, den die Volksbank realisiert hat. Kunden, die ihre Ratenkredite nicht bezahlten, gehören zu den Fällen, die sie bearbeitet. Für Abwicklungen bis 50 000 Euro sei sie zuständig. "Das ist sehr komplex", erklärt die 21-Jährige. Deshalb dürfe sie nicht alles alleine bearbeiten.
Hauptsächlich Privatinsolvenzen: "Eher die unangenehmen Sachen" fallen in den Aufgabenbereich der 21-Jährigen. Die hätten im Zuge der Wirtschaftskrise zugenommen. "Viele können ihre Raten einfach nicht mehr bezahlen." Von ihrem Büro aus in der Zentrale am Tenter Weg versucht sie, mit den Säumigen in Kontakt zu treten. "Wir versuchen immer, eine Lösung zu finden." Beispielsweise, dass ein Kunde seinen Kredit in kleineren Raten abbezahle. Selbst das funktioniere nicht immer. "Spätestens, wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, überlegen sie es sich aber doch noch mal."
Die 21-jährige Remscheiderin denkt auch nach Ende der Ausbildung an ihre Zukunft. "Ich möchte auf keinen Fall stehenbleiben. Ich möchte mich weiterbilden." Derzeit suche sie nach einem geeigneten Studiengang, der in ihre Fachrichtung passt. Das müsse dann nach der Arbeit und am Wochenende Platz finden.
© Sonja Kuhl, 28.05.2010, RGA-Online